The Weight // Heavy Rhythm & Roll Tour 2017

Mit Debutalbum auf großer Tour

Es mag kaum ein musikalisches Feld geben, in welchem die Klischeefallen so dicht und zahlreich auf­gestellt sind, wie in jenem der Rockmusik. Die Rocker dieser Welt sind Epigonen für alle Zeit und die Schatten der übergroßen Vorgänger all­gegenwärtig. Es gibt einen Ort, wo uns das ganze Dilemma der Vorväter und ihrer Kinder seit 150 Jahren buchstäb­lich vor Augen liegt: die Wiener Ringstraße. Der in Architektur gegossene und bereits damals längst anachronistische Welt­herrschaftsanspruch des vormals imperialen Wiens erzählt die Geschichte einer Gegenwart, die sich aus der Ver­gan­gen­heit zu speisen suchte. Nun wird eine Rockband, die sich offen zu den für das Genre stilprägenden 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bekennt, genau dort ihr erstes Studioalbum veröffentlichen. Das passt gut ins Bild.

Heavy Rhythm & Roll heißt das selbstgewählte Banner, unter dem sich The WEIGHT aufmachen, den verblassten Glanz und die verflossene Gloria des Rock’n’Roll neu erstrahlen zu lassen. Die Melange aus Blues, Rock und Psychedelica be­sticht auch in ihrer musikalischen Vielschichtigkeit stets durch Natürlich­keit und Homogenität. Doch Heavy Rhythm & Roll das ist nicht nur musikalischer Ausdruck und An­spruch, sondern auch ideelles Fundament von THE WEIGHT. Das selbstbetitelte Debütalbum wird konsequenterweise auf dem dazu frisch aus der Taufe gehobenen Heavy Rhythm & Roll Record-Label veröffentlicht. Auch verführerische Ange­bote der Plattenindustrie konnten THE WEIGHT nicht davon abbringen, dem Verlangen nach künstlerischer und wirt­schaftlicher Unabhängigkeit den Vorzug zu geben und damit selbst über das eigene Schicksal zu be­stimmen. Dass sich etablierte Größen des Musik­business wie Produzent Oliver Zülch (Die Ärzte, Sportfreunde Stiller) oder Amadeus-Preis­träger Martin Scheer (Bilderbuch, Granada u.a.) auch ohne die Beteiligung großer Labels für das Projekt begeistern konnten, verdeutlicht die genreübergreifende Euphorie, welche THE WEIGHT zu entfachen verstehen. Federleicht inszenieren THE WEIGHT die inhaltliche und musikalische Schwere ihrer Kompositionen.

Schon das eröffnende „Hard Way‟ verdeutlicht dies ein­drucksvoll. Dem harten Einstiegsriff gesellen sich über­schäu­mende Lebensenergie und der ungebrochene Optimismus einer Band bei, die weiß, was einem Musiker auf seinem beschwerlichen Weg des Rock’n’Roll geschenkt wird: nämlich nichts. Der inhaltliche Leitfaden des gesamten Albums ist damit grob umrissen. Besonders die wunderbar ausgeflippte Single „Trouble‟ wie auch die Mitsinghymne „Inside‟ ver­einen fragenden Zweifel und trotzige Jetzt-Erst-Recht-Men­ta­lität überzeugend auf klassischer Hitlänge. Dass das krea­tive Potential von THE WEIGHT damit noch lange nicht ausge­schöpft ist, stellt das den engen Rahmen einer Radio­single sprengende Klangemälde „Hammer, Cross & Nail‟ mit seinen ausufernden Instrumentalpassagen unter Beweis. Solch darstellerischer Gestaltungswille wird in „Rich Man’s Pride‟, das in dieser Hinsicht auch einem Ennio Morricone Sound­track entsprungen sein könnte, schließlich auf die Spitze getrieben. Spätestens jetzt lässt sich erahnen, wie sehr sich THE WEIGHT von zeitgenössischen Produktionstechniken entfernt haben, um aus dem unendlichen musikalischen Reservoir der Vergangenheit zu schöpfen. Das abschließende „Plenty of Nothing‟ wirkt in diesem Zusammenhang wie eine letzte affirmative Bekräftigung: der treibende Rhythmus, die elegischen Refrains und das hymnische Finale legen die volle Pracht der Klangentfaltung offen.

„Don’t you feel like a little wheel? Keep on spinning – that’s the deal!‟ Mit dieser Maxime entlassen uns THE WEIGHT aus ihrem Album, während wir uns weiterdrehen im Rad der Zeit, das für niemanden still steht – auch nicht für die Stadt Wien und ihre Ringstraße. Und gerade hier hat erst der Zahn der Zeit bewiesen, welch ein Gesamtkunstwerk eigentlich vor uns liegt. Das Ganze ist eben immer mehr als die Summe seiner Teile. Möge THE WEIGHT ein ähnliches Schicksal vergönnt sein.